In der Vorlesung analysieren wir den imperialen Anspruch Russlands und der Sowjetunion in Asien – von der Expansion nach Sibirien ab dem 16. Jahrhundert über die Rivalitäten mit China, Japan und Großbritannien bis hin zu Machtprojektionen in jüngerer Zeit. Im Mittelpunkt stehen militärische, wirtschaftliche und politische Strategien, Infrastrukturprojekte, Nationalitätenpolitik, die russische und sowjetische Asienforschung sowie die Durchsetzung imperialer Herrschaftsinteressen gegenüber lokalen Gesellschaften. Ziel ist es, Kontinuitäten und Brüche nachzuvollziehen und damit auch die historische Grundlage heutiger geopolitischer Ambitionen Russlands zu erschließen.
1949 veröffentlichte George Orwell mit dem Roman „1984“ eine eindringliche Warnung vor den Gefahren des Totalitarismus. Kurz darauf legte Hannah Arendt mit „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ eine wegweisende Analyse von Nationalsozialismus und Stalinismus vor. Seitdem ist der Begriff „Totalitarismus“ zu einem oft ungenauen und mitunter inflationär gebrauchten Schlagwort geworden. Doch was bedeutet er wirklich? Wie treffend ist er für den Vergleich der politischen Systeme Deutschlands und der Sowjetunion in den 1930er und 1940er Jahren? Und welche Lehren lassen sich daraus ziehen, um politische und gesellschaftliche Herausforderungen der Gegenwart besser zu verstehen? In diesem Hauptseminar lesen wir neben Orwell und Arendt theoretische Texte, historische Analysen, Tagebücher und Memoiren, untersuchen die politischen, ideologischen und alltäglichen Mechanismen totalitärer Herrschaft und diskutieren, wie Totalitarismustheorien entstanden, rezipiert und bis heute kritisch reflektiert werden.
Gegenstand der Lehrveranstaltung sind die russisch-japanischen Beziehungen im Nordpazifik vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Nach einem Workshop in Tokyo mit japanischen Studierenden erkunden wir historisch bedeutsame Orte auf Japans Nordinsel Hokkaidō und gewinnen dort Einblicke in inter-imperiale Grenzräume und transnationale Austauschprozesse. Schwerpunkte der Studienreise sind die Analyse der kolonialen Erschließung Hokkaidōs, der Lebenswelten der indigenen Bevölkerung und der überlappenden imperialen Machtstrukturen in diesem japanischen Grenzland. Die Verbindung von theoretischen Perspektiven der Frontier- und Borderland Studies mit unmittelbaren Erfahrungen an historischen Orten ermöglicht ein tieferes Verständnis von Konfliktlinien, deren Wirkung teils bis in die Gegenwart reicht. Die Veranstaltung richtet sich an fortgeschrittene Studierende der Geschichts- und Ostasienwissenschaften. Arbeitssprache ist Englisch. Kenntnisse des Japanischen oder Russischen werden nicht vorausgesetzt. Gefördert im Rahmen des PROMOS- und RUB School-Programms sowie durch die Freunde der RUB.
Im Rahmen des Forschungskolloquiums werden aktuelle Beiträge zur Geschichte Osteuropas präsentiert und diskutiert. Dabei stehen laufende Arbeiten aus dem Umfeld der Bochumer Osteuropastudien ebenso im Zentrum wie Präsentationen von auswärtigen Gästen. Das Kolloquium bildet so ein Forum für den interaktiven Ideen- und Gedankenaustausch. Die Veranstaltung ist offen für Studierende aller Studiengänge aber auch für all jene in Bochum, die an aktuellen Fachdebatten zur Geschichte Osteuropas interessiert sind. Wir kooperieren mit der Professur für Deutsche Kultur und Geschichte im östlichen Europa.
Das Paradoxon, das der französische Historiker Alexis de Tocqueville in seiner Untersuchung von Revolutionen aufdeckte, besteht darin, dass Revolutionen nicht immer das Ergebnis eines allmählichen Niedergangs von einer schlechten zu einer noch schlechteren Situation sind: „Die Regierung, welche durch eine Revolution vernichtet wird, ist fast stets besser als ihre unmittelbare Vorgängerin. Die Erfahrung lehrt, dass der gefährlichste Augenblick für eine schlechte Regierung gewöhnlich derjenige ist, in dem sie sich zu reformieren beginnt.“ Die Reformen von Alexander II. in der Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Geburtsstunde der russischen Intelligenzija, die sich als das Gewissen der Gesellschaft verstand und das Regime kritisierte. Fast ein Jahrhundert später wurde der Raum der Kritik im Zuge des „Tauwetters“, nämlich der Reformpolitik von Stalins Nachfolger Nikita Chruschtschow, erneut geöffnet, wodurch die sowjetische Dissidentenbewegung entstand. Das Seminar befasst sich mit dem Dissens im späten Russländischen Reich und in der Sowjetunion bis zur Ära Chruschtschow. Im Zentrum stehen die Fragen: Was war die russische bzw. sowjetische Intelligenzija, welche Ideen vertrat sie, und wie sind die Machtverhältnisse zwischen Regime und Oppositionellen zu verstehen?