Geschichtsvermittlung in und über Osteuropa

Polen und Russland im Vergleich

Interdisziplinäre SUMMER SCHOOL gefördert durch inStudies und mit freundlicher Unterstützung des Osteuropa-Kollegs NRW.

Organisation: Dr. Agnieszka Zaganczyk-Neufeld

Ist Osteuropa ein geographischer Raum, ein politisches Konstrukt des Kalten Krieges, oder doch ein „anderes“ Europa? Seit mehreren Jahren beobachten wir in Osteuropa einen wachsenden Nationalismus, Populismus, eine Entwicklung in Richtung eines Semi-Autoritarismus. Besonders Polen und Russland fordern „den Westen“ – am häufigsten Deutschland – aber auch sich gegenseitig mit ihren Schuldzuweisungen, Ansprüchen und umstrittenen geschichtspolitischen Gesetzen heraus. Um diese relevanten gesellschaftspolitischen Entwicklungen verstehen und erklären zu können, brauchen wir Osteuropakompetenz, also eine interdisziplinäre Expertise, die aus Sprachkenntnissen, fundiertem Fachwissen und interkultureller Kompetenz besteht. Die Sommerschule bringt den Studierenden die Osteuropakompetenz näher. Als ein Fallbeispiel wurde dafür der Zweite Weltkrieg und seine Folgen im Geschichtsbewusstsein und in der Geschichtspolitik in Polen und in Russland gewählt.

Die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs gilt im Allgemeinen als einer der wichtigsten identitätsstiftenden Gründungsmythen der Nachkriegszeit. Der Umgang mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs ist in europäischen Ländern unterschiedlich, in Polen und in Russland wurde er in den letzten Jahren zum Politikum. Im Rahmen der Sommerschule wird deswegen folgenden Themen nachgegangen:

(1) Klärung der Begriffe: Geschichtspolitik, Geschichtsbewusstsein, Erinnerungskultur, Vergangenheitsbewältigung, Geschichtsaufarbeitung;

(2) Geschichtspolitik in Russland und Polen: Akteure, Interessengruppen, Ziele, Narrative, Kommunikationsformen, Vermittlungsstrategien;

(3) nicht-staatliche Akteure der Geschichtsvermittlung in Russland und Polen: ihre Tätigkeiten, Ziele, Zielgruppen, Kommunikationsformen, Vermittlungsstrategien;

(4) Spannungsverhältnis zwischen Akteuren staatlicher und nicht-staatlicher Geschichtsvermittlung;

(5) Geschichtsvermittlung in Massenmedien, in sozialen Netzwerken;

(6) Schwierigkeiten der Berichterstattung über Geschichtsvermittlung in Polen und Russland.

19. Juni 2020, 14:00 – 18:00 Uhr, GA 5/29 Vorbesprechung

Im Zeitraum zwischen der Einführungsveranstaltung und dem Sommerblock bearbeiten die Studierenden selbständig die zur Verfügung gestellten theoretischen Texte sowie Medien.

Bitte beachten Sie: In der Vorbesprechung wird es keine Möglichkeit geben, sich für die Teilnahme an der Sommerschule anzumelden.

27. Juli – 1. August 2020, GD 02/148 Sommerblock

Montag-Freitag jeweils 10:00 – 18:00, Samstag 10:00 – 13:00. Die Themen:

– Organisation von internationalen Begegnungen in Gedenkstätten
– Friedhöfe als Orte von Zusammenarbeit und Auseinandersetzung. Praxiserfahrungen bei der Bewahrung deutsch-polnischen Kulturerbes
– Von der Forschung zum Medienprodukt: Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Journalismus
– staatlicher Umgang mit der Repressionsgeschichte in Russland und die Folgen für zivilgesellschaftliche Organisationen
– Leningrader Blockade
– visuell-räumliche Geschichtsvermittlung in Osteuropa
– das internationale GoEast-Filmfestival Wiesbaden
– Simulationsspiel: Pressekonferenz über die Gründung eines Museums des Zweiten Weltkriegs
– Recherche-Aufgabe: Schätzungen und Darstellungen der Opferzahlen des Zweiten Weltkriegs in Polen, Russland und Deutschland
– Vorstellung des Masterstudienschwerpunkts Osteuropastudien mit Praxisbezug
Bloggen über Geschichte.

  • Die Sommerschule beschäftigt sich mit Themen von aktueller (geschichts-)politischen Relevanz, die vielen von Ihnen aus Medien oder eigenen Exkursionen bekannt sind, die aber in traditionellen Lehrveranstaltungen nicht in diesem Umfang besprochen werden können.
  • Die Sommerschule will durch ihre interdisziplinäre und praxisorientierte Ausrichtung die Osteuropakompetenz von Studierenden unterschiedlicher Fachdisziplinen stärken.
  • Es werden von den PraktikerInnen mehrere Berufsperspektiven vorgestellt.
  • Sie können wertvolle Kontakte mit PraktikerInnen knüpfen und sich auf die Herausforderungen des Arbeitsmarktes besser vorbereiten.
  • Sie bekommen die Möglichkeit, über die eigene Haltung gegenüber gesellschaftlichen Herausforderungen zu reflektieren.
  • Sie lernen, wie mit geschichtspolitischen Debatten in (sozialen) Medien umgegangen wird – und wie Sie damit kritisch umgehen können.
  • Sie bekommen wertvolle Einblicke in vielschichtige geschichtspolitische Debatten in Polen und in Russland, die nicht nur in Texten, sondern auch in der Kunst, der Architektur und im Film zum Ausdruck kommen.
  • Sie können am Ende der Sommerschule in unserem Blog selbst Beiträge über Geschichtsvermittlung verfassen und sie medial ergänzen.
  • Sie bekommen erste Einblicke in den Masterstudienschwerpunkt Osteuropastudien mit Praxisbezug.

Master- und Bachelorstudierende (ab dem 4. Fachsemester) aller Fächer der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Duisburg-Essen.

Besondere (auch sprachliche) Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Wie setzen voraus, dass Sie an allen Terminen der Sommerschule aktiv teilnehmen, und dass Sie sich auf die Sommerschule in unserem Moodle-Kurs entsprechend vorbereiten.

Ihren abschließenden Leistungsnachweis können Sie sowohl in traditioneller Form (Hausarbeit), als auch in Form von einem kreativen Beitrag (Medium, Blogbeitrag) erbringen.

Im Zusammenhang mit der Sommerschule wird ein Blog erstellt, der Ihnen eine geeignete Plattform für das Publizieren, Austausch und Online-Gestaltungsaktivitäten bieten wird. Je interdisziplinärer die Beiträge, desto besser! Wir werden hier freundlicherweise von dem eTeam Digitalisierung der RUB unterstützt.

In Abhängigkeit der erbrachten Leistung und der Fachzugehörigkeit können Sie zwischen 5 und 10 ECTS bekommen.

Die Kreditierung und Anrechnung der Sommerschule ist für Studierende der Fächer Geschichte, Kunstgeschichte, Slavistik und Medienwissenschaft der RUB sowie für Studierende der Universität Duisburg-Essen curricular erfasst:

– Geschichtswissenschaft: Hauptseminar, 8 CP
– Kunstgeschichte:
1-Fach MA als Übungsmodul, 6 CP und im Ergänzungsbereich, 8 oder 10 CP
– Slavistik: Sommerschule, 6 CP
– Medienwissenschaft: BA, 5 oder 8 CP (als gesamtes Modul) und 1-Fach MA, 10 CP (als gesamtes Modul)
– Universität Duisburg-Essen: IOS Modul E3 Studium liberale, 6 CP

Studierende weiterer Fächer wenden sich bitte zunächst an ihre/n jeweiligen Studienfachberater/in, um eine Anrechnung in ihrem Studiengang zu klären.

Bewerben können sich Studierende der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Duisburg-Essen.

Bitte melden Sie sich ausschließlich per E-Mail an agnieszka.zaganczyk-neufeld@rub.de mit folgenden Angaben:

– Name, Vorname, Hochschule, Matrikelnummer
– Studienfach, Zweitfach, Studiengang
– kurzes Motivationsschreiben
– Haben Sie Unterstützungsbedarf aufgrund einer körperlichen Beeinträchtigung? Was benötigen Sie?
– Benötigen Sie Kinderbetreuung für den Sommerblock?

Bewerbungsbeginn: 22. Januar 2020

Bewerbungssschluss: 15. März 2020

Nachdem Sie zu der Teilnahme an der Sommerschule eingeladen werden, werden Sie von Ihren jeweiligen Fakultäten/Instituten manuell angemeldet.